Übersetzer überflüssig?

Übersetzer überflüssig?

 

Deutsche Sprachsoftware ist besser als Google. Sogar professionelle Übersetzer diskutieren schon, ob sie überflüssig werden.

Die Kundenliste von Acrolinx ist beeindruckend: Google, Facebook, Microsoft, Nestlé oder Boeing vertrauen auf die Expertise von Acrolinx. Entstanden ist das Berliner Unternehmen schon 2002 als Ausgründung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Es war damit ein Pionier beim Einsatz von KI, als die Technologie noch keinen Boom erlebte, wie in diesen Tagen. „Vor zehn Jahren wurden wir mit unserer Idee oft noch schräg angeguckt“, erinnert sich Technikchef Ulrich Callmeier. Denn das Unternehmen hat eine Art digitalen Lektor entwickelt, eine Software, um die Sprachqualität zu analysieren und Verbesserungsvorschläge zu machen.

DeepL stellt Google in den Schatten

Doch auch rein maschinelle Übersetzungen machen dank immer besser trainierter Algorithmen enorme Fortschritte. Lasen sich am Computer erstellte Übersetzungen vor wenigen Jahren noch schlimmer als die kryptischste Gebrauchsanweisung aus China, liefern Dienste wie Google Translate inzwischen oft ziemlich brauchbare Ergebnisse. Und der beste Computerdolmetscher kommt derzeit aus Köln vom Start-up DeepL. „Die Übersetzungen sind im Allgemeinen besser als die von Google Translate und Microsofts Bing“, urteilten beispielsweise Tester des renommierten US-Technologieportals Techcrunch. Und sogar professionelle Übersetzer diskutieren bereits, ob ihnen die Software künftig den Job streitig machen kann.

DeepL ist aus Linguee, einer Suchmaschine für Übersetzungen hervorgegangen. Doch statt nur auf möglichst gute Übersetzungen zu verweisen, beschloss Gründer Gereon Frahling 2017, das aus inzwischen zehn Milliarden Suchanfragen gewonnene Know-how für einen eigenen Online-Übersetzer zu nutzen, der in einer Basisversion kostenlos unter deepl.com zur Verfügung steht.

Das Start-up hat seine Algorithmen mit den besonders guten Übersetzungen trainiert. Zudem nutzt es dafür eine andere Art neuronale Netze als Google. Über die Details schweigt sich das Unternehmen aus, auch um die Konkurrenz auf Abstand zu halten. Doch können die Amerikaner das nicht schnell aufholen? „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir unseren Vorsprung halten können“, sagt Technikchef Jaroslaw Kutylowski. Gerade hat das Unternehmen dafür eine Kapitalspritze erhalten: Ende Dezember ist der renommierte US-Investor Benchmark bei DeepL eingestiegen. „Wir wollen die Forschung und Entwicklung stark erweitern“, sagt Kutylowski. Die Zahl von derzeit knapp 30 Mitarbeitern soll sich in den kommenden zwölf Monaten verdoppeln. Zudem will das Unternehmen auch weltweit noch viel stärker wachsen.

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